heise online – Datenschützer vs. Datenschutz-Kritiker: „Privatsphäre ist sowas von Eighties?“

Zentrales Stichwort der „Spackeria“ ist der „Kontrollverlust“ über Information. Das beschreibt einerseits einen Zustand, andererseits skizziert es eine Utopie. Wie der Blogger Christian Heller ausführte, der neben Julia Schramm für die Post-Privacy-Bewegung sprach, ist das Problem nicht das Vorhandensein von Wissen, sondern die Tatsache, dass dieses Wissen gegen jemanden verwendet werden darf. Der Kontrollverlust sei eine Tatsache, die Schutzmaßnahmen dagegen würden nicht ewig halten – besser, man experimentiere rechtzeitig mit der Preisgabe der Privatsphäre. Und wenn alle nackt sind, ist Nacktheit kein Skandal mehr.

Es ist richtig, dass Nacktheit kein Skandal mehr ist wenn alle Nackt sind – aber können wir deswegen alle Strände und Badeanstalten deswegen zu Nudistenzentren erklären? Klares Nein.

Dass das Wissen über jemanden gegen ihn verwendet werden kann ist ein alt hergebrachtes Machtinstrument um Konformität, Gefügigkeit etc. zu erzwingen.

Und Gleichheit unter Menschen wird es nie geben. Es wird immer welche geben die weniger Nackt sind und andere manipulieren und versuchen werden sie zum eigenen Zweck zu kontrollieren. Auch der Kommunismus scheitert an dieser Unmöglichkeit.

Die Lösung, m.E. nach, ist das Recht auf soviel individuelle Öffentlichkeit (Nacktheit) wie jeder einzelne wünscht, ohne dass dies in irgendeiner Form bewertet wird. Das würde uns zu einer neuen Form der Toleranz führen, in der Zustimmung oder Ablehnung von Eigenheiten anderer Menschen die grundsätzliche Akzeptanz als Mitmenschen nicht beeinflussen. Heutzutage sind wir es gewohnt öffentlich zu werten was zur Privatisierung und Schutz der persönlichen Daten führt. Die neue Toleranz würde zur Privatisierung der Wertungen und langfristig vielleicht sogar zu ihrem Verlust führen und damit den notwendigen Raum und Vertrauen zur Veröffentlichung privater Daten schaffen.

Um bei der Analogie der Nacktheit zu bleiben, es würde dazu führen das an einem FKK-Strand jeder soviel aus- bzw. anziehen kann wie er/sie persönlich will, ohne das sich jemand darüber mokieren würde – was bisher undenkbar ist.

Die Gesellschaft (ich schreibe jetzt extra nicht Staat) müsste generell regeln was und in welchem Umfang diese öffentlichen Daten genutzt werden dürfen, bei größtmöglicher Flexibilität jedes Einzelnen diese Regelungen einzuschränken bzw. auszuweiten (aus- bzw. anziehen am FKK-Strand). Die einfache Regel müsste also lauten: die Verwendung persönlicher Daten ist grundsätzlich verboten, außer es wird explizit erlaubt, wobei eine individuelle Regelung Priorität vor einer generellen Regelung hat.

Ein Traum – eine Gesellschaft in der ethnische, religiöse, sexuelle und sonstige persönliche Eigenheiten und Vorlieben, solange allgemeine humanitäre Werte und das gleiche Maß an Toleranz respektiert werden, nicht mehr zur Diskriminierung durch andere(anders) Gleichgesinnte führen …   

viaheise online – Datenschützer vs. Datenschutz-Kritiker: „Privatsphäre ist sowas von Eighties?“.

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